Angebote für pflegebedürftige Kinder und Jugendliche und ihre Angehörigen

Presse

Pressemittelung vom 19.07.2026

Innovatives Beratungs- und Informationsangebot für Pflegende Eltern - Unterstützung für Kinder mit Autismus & ADHS und deren Angehörige

Der Verein Autismus und AD(H)S im Landkreis Leipzig e.V.  beschreitet neue und kreative Wege, um Eltern / Angehörige von neurodivergenten Kindern mit Pflegebedarf nachhaltig zu unterstützen.

Warum gibt es dieses Angebot?

Der Selbsthilfeverein bietet fünf Vor-Ort Elterngruppen in Grimma, Zwenkau, Borna, Wurzen und Bad Düben an. Neu hinzugekommen ist ein Online-Austausch für Eltern, deren Kinder über 16 Jahre alt sind und bei denen Themen wie Übergang in den Beruf, Beziehungen und Identitätsfindung im Vordergrund stehen.

Im Verlauf der letzten drei Jahre zeigte sich, dass ungefähr zwei Drittel der Eltern ihr Kind pflegen. Daraus resultiert ein hoher Informationsbedarf zu Anträgen, Widersprüchen, Handlungsoptionen im Pflegealltag und insbesondere zu Angeboten, bei denen ihre Kinder betreut werden oder sie selbst Hilfe erfahren können. Ziel des Vereins ist es daher, zu beraten und über Rehabilitation, Früherkennung, Therapien sowie Umgang mit Herausforderungen aufzuklären.

Für wen ist das Angebot gedacht?

Insbesondere sind pflegende Angehörige, seien es Eltern, Groß- oder Pflegeeltern angesprochen, aber im weiteren Sinne können sich auch Fachkräfte mit Fragen zu Pflegethemen an den Verein wenden.

Regional können die Landkreise Leipzig und Nordsachsen, die Stadt Leipzig sowie bis zu einem gewissen Grad auch der nördliche Teil des Landkreis Mittelsachsen abgedeckt werden.

Was ist konkret geplant?

  • Beratung von Angehörigen zu allen pflegerelevanten Aspekten
  • Unterstützung bei Anträgen und Widersprüchen sowie Begleitung von Terminen, bspw. Begutachtung durch MDK
  • Erstellung von Informationen in Form von Flyern und Merkblättern zu Aspekten des Pflegealltags mit einem neurodivergenten Kind (bspw. Ernährung, Hygiene, Regulation, Deeskalation, Meltdown/ Shutdown)
  • Aufbau eines Kontaktnetzwerks – wer ist für pflegebedürftige Kinder und deren Angehörige in welcher Form da?
  • Suche nach Anbietern von Aktivitäten im Bereich Freizeit, Sport, Kunst und Kultur, die bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren
  • Sukzessives Ausbringen von allen Informationen, Angeboten und Netzwerkkontakten über die Webseite, damit diese möglichst allen zur Verfügung stehen, die sie brauchen

Wer koordiniert die Aktivitäten?

Vier Frauen machen sich auf den Weg, neurodivergente Kinder und deren Angehörige tatkräftig zu unterstützen. Mitte Juli starteten Sandra Weiße und Jasmin Biewald. Das Team wird ab September außerdem durch Anne Enge und Tanja Weidauer ergänzt.

Sandra Weiße bringt neben Kenntnissen in Pädagogik, NLP, Körpersprache und Kommunikation ebenso langjährige Erfahrungen in Beratung, Schulung und Begleitung von Erwachsenen und Jugendlichen mit. Die Aufnahme der Tätigkeit wird motiviert dadurch, „dass mehr Menschen erkennen, was Neurodivergenz bedeutet.“ Ihr liegt besonders viel daran, „die Familien sowie ihre Bedürfnisse wirklich zu verstehen. Das ist mir wichtiger als vorschnell Antworten zu haben.“ Sandra Weiße wünscht sich insbesondere, „dass Familien nicht erst kämpfen müssen. Mehr Offenheit, weniger Vorurteile und ein respektvoller Umgang würden für viele einen großen Unterschied machen.“

Jasmin Biewald bereichert das Team durch eine berufliche Orientierung im Bereich Psychologie und vor allem eigene Erfahrungen als spät diagnostizierte neurodivergente Frau und Mutter. Die Tätigkeit als Koordinatorin wird motiviert durch „die Menschen, die im Gesundheitssystem häufig übersehen werden. – Ich möchte Familien dort unterstützen, wo sie gerade stehen.“ Besonders herausfordernd sieht sie die aus Vorurteilen entstehende „Stigmatisierung, Ausgrenzung und oft auch Scham bei Familien. Mehr Sichtbarkeit und Aufklärung sind deshalb entscheidend.“ Ihr Wunsch ist es, „Unterstützungssysteme neuroinklusiver und niedrigschwelliger zu gestalten. Hilfe darf kein Privileg sein.“

Anne Enge steuert einen Erfahrungsschatz im Bereich Projektmanagement, Organisation und Vertrieb bei. Die Volkswirtin möchte ihre berufliche Erfahrung künftig stärker in einem Umfeld einsetzen, in dem „der unmittelbare Nutzen für Menschen“ sichtbar wird. Sie freut sich auf die Herausforderung eines neuen Arbeitsumfelds und sieht „zentrale Punkte in Wissensmanagement und Netzwerkbildung.“ Anne Enge wünscht sich „Offenheit für die Perspektive der betroffenen Familien“ mit dem Ziel, diese möglichst unbürokratisch zu unterstützen.

Tanja Weidauer war langjährig pädagogische Fachkraft in Kindergärten und Schulen. Aktuell gibt sie als selbständige Lernbegleiterin naturnahe Kurse im freizeit- und entspannungspädagogischen Bereich für Kinder und Jugendliche und koordiniert Projekte in den Bereichen Berufsorientierung und Resilienztraining. Die Sozialpädagogin stellt „das Stärken von Beziehungen im Familiensystem über die Anwendung von Methoden“. Sie freut sich darauf, „in einem sichtbaren Netzwerk tätig zu sein und dies auszubauen.“  Auch sie wünscht sich ein tieferes Verständnis und, „dass mehr Menschen, die Kinder und Jugendliche begleiten, Hintergrundwissen zu neurodivergenten Gehirnen aufbauen.“

Der Verein ist sehr dankbar, die vier Frauen für seine Ziele und das angestrebte Angebot zu gewinnen. „Jede von ihnen bringt besonderes Wissen und Stärken mit, die in Kombination bereichernd sind“, sagt Diane Richter, Vorstandsvorsitzende des Vereins. Sie möchte insbesondere die Eltern ansprechen, die bisher für sich allein gekämpft haben. „Das Angebot steht allen zur Verfügung, die es brauchen. Eine Mitgliedschaft in unserem Verein ist nicht notwendig. Ich weiß, es kann viel Überwindung kosten, Hilfe anzunehmen – unsere Tür steht jederzeit offen!“

Perspektiven

Der Verein möchte mit diesem Angebot in der Zukunft auch Fachkräfte aus den Bereichen Kita und Schule erreichen – also auch dort Wissen weitergeben, wo Pflege ebenso Alltag ist wie zuhause. Zudem ist die Einrichtung eines Sorgentelefons angedacht, welches vor allem zu Zeiten aktiv ist, an denen Hilfe manchmal akut gebraucht wird, so z.B. am Wochenende.

Weitere Informationen und Kontakt

Das Angebot wird bis Jahresende finanziert mit Fördermitteln zur Pflegeselbsthilfe, verfügt durch den Kommunalen Sozialverband Sachsen und anteilig getragen von Pflegekassen, Freistaat Sachsen und Landkreis Leipzig. Eine Fortsetzung ab 2027 ist vorgesehen. Weitere Informationen: https://pflegesax-eltern.net – Kontakt: team@pflegesax-eltern.net

Jasmin Biewald und Sandra Weiße
Anne Enge
Tanja Weidauer