Nicht-Sprechen & (s)elektiver Mutismus
Kommunikation und Unterstützung Nicht-Sprechen / non-speaking
Die Themen Nicht-Sprechen (Non-Speaking) und (s)elektiver Mutismus stellen Familien im Pflege-Alltag vor ganz besondere Hürden. Ob durch Angstprozesse bedingter selektiver Mutismus oder eine verzögerte bzw. gänzlich abwesende Verbalsprache: elementare Bedürfnisse, Schmerzen oder Beschwerden können oft nicht auf dem klassischen Weg mitgeteilt werden. Auf dieser Seite finden Sie wichtige Unterscheidungen, proaktive und reaktive Maßnahmen sowie konkrete Kommunikationshilfen.
Wichtige Unterscheidungen und Gemeinsamkeiten
(s)elektiver Mutismus
- üblicherweise altersentsprechende Sprachentwicklung
- in bestimmten sozialen Situationen findet verbale Kommunikation statt, in anderen konsequent nicht, nonverbale Kommunikation kann unter Umständen stattfinden
- Zurückzuführen auf Angstprozesse und Hemmungen
- kann therapiert und überwunden werden
Mehr Informationen finden Sie beispielsweise auf den Seiten der Mutismus e.V..
Nicht-Sprechen / non-speaking
- verzögerte Sprachentwicklung bzw. völlige Abwesenheit von verbaler Sprache oder altersentsprechende Sprachentwicklung
- zum Teil vorübergehendes Nichtsprechen aufgrund eines Shutdowns
- Kommunikation über Bilder oder Gebärden erlernbar
- soziale Motivation zur Kommunikation nicht beeinträchtigt
Gemeinsamkeiten
- gehen häufig mit Angststörungen einher (generalisiert, sozial, Trennungsangst)
- können die soziale Teilhabe und schulische Leistungen beeinträchtigen
- können gemeinsam auftreten
Häufige Pflegesituationen und Herausforderungen
- eingeschränkte Kommunikation mit dem Kind
- elementare Bedürfnisse können nicht kommuniziert werden
- Schmerzen und Beschwerden werden nicht mitgeteilt
- ausbleibende Kommunikation bei Ärztinnenbesuchen und Therapien
- Nicht-Reagieren wird missverstanden
- Förderung (auto-)aggressiver Verhaltensweisen aufgrund des Unvermögens sich auszudrücken
Begleitung der Versorgung
Begleitung zu Terminen
inneres Monitoring von Bedürfnissen
emotionale Unterstützung,…
Was können Eltern tun?
Proaktive Maßnahmen
Schaffung eines geschützten Umfelds
Form & Art der Kommunikation aktiv unterstützen, auf jede Art wohlwollend reagieren, keine Fehlerkorrektur
Sprachvorläuferfähigkeiten trainieren
Blickkontakt, geteilte Aufmerksamkeit, Imitationsfähigkeit, Spielfertigkeiten
Nutzung von Kommunikationshilfen
Bildtafel, Gebärdensprache, PC, Schrift, PECS, visuelle Zeitpläne und Routinekarten, Kombination aus allem
Übergänge ankündigen
Besuche oder Termine ankündigen und vorab besprechen
Reaktive Maßnahmen
Ruhe bewahren & Selbstregulation
Trösten statt Schimpfen, nicht beschämen
Alternativen bereithalten
Kommunikationstafeln, Bildkarten, E-Writer/LCD-Schreibtablet, Zettel und Stift
Übernahme der Kommunikation
Mit dem Kind für das Kind sprechen
Pausen einplanen
kein Zeitdruck, Unterbrechungen in Terminen ermöglichen
keinen Druck oder Zwang erzeugen
Validieren der Gefühle, Verweigerung zulassen
Kommunikation: Hilfreiche Sätze & No-Gos
- Du musst nicht sprechen.
- Ich warte, du musst dich nicht beeilen.
- Ich habe verstanden, was du mir sagen willst.
Bei Übernahme der Kommunikation
- Oh, das möchte ich der Ärztin erklären. Du hattest gestern 40°C Fieber und warst ganz schlapp. Dann…
- Sag es doch einfach.
- Sag wenigstens Hallo.
- Wenn du mir nicht sagst, was los ist, kann ich dir nicht helfen.
- Du musst nur mutig sein.
- Wenn du mir nicht antwortest, mach ich einfach weiter.
