Angebote für pflegebedürftige Kinder und Jugendliche und ihre Angehörigen

Meltdown & Shutdown

Krisenkompass für neurodivergente Kinder: Prävention, Akutversorgung & Nachsorge

Meltdowns und Shutdowns sind extrem herausfordernde Situationen für das Kind und das gesamte familiäre Umfeld. Sie sind nicht trennscharf, können ineinander übergehen oder einzeln auftreten. Dieses Merkblatt bietet Ihnen einen praxisnahen Leitfaden von der Vermeidung (Prävention) über das Handeln in der Krise (Akutversorgung) bis hin zur Aufarbeitung (Nachsorge).


Was ist der Unterschied zwischen einem Meltdown und einem Shutdown?

Meltdown

  • Verhaltenskontrolle, Selbstregulation und exekutive Funktion ist eingeschränkt bzw. ausgesetzt
  • Schreien, um sich schlagen
  • selbstverletzendes Verhalten
  • Verletzung und Angriff Anderer
  • Zerstörung von Gegenständen

Nach Außen hin als aggressives Verhalten lesbar, stellt aber keine gezielte Aggression dar.

Mögliche Auslöser / Trigger: 

  • komplexe Situationen
  • Veränderungen in der Routine
  • schnelle Übergänge
  • ....

Oftmals kein für die Außenwelt offensichtlicher Trigger. 

Shutdown

  • Verhaltenskontrolle, Selbstregulation und exekutive Funktion sind eingeschränkt bzw. ausgesetzt
  • unfähig sein etwas zu tun
  • Sprachstörungen, Mutismus
  • Bewegungsminderung, teilweise katatonisch
  • verstecken
  • erhöhtes Stimmingverhalten

Nach Außen hin als schüchternes oder ängstliches Verhalten lesbar.

Mögliche Auslöser / Trigger:

  • komplexe Situationen
  • Reizüberflutung
  • Erschöpfung
  • Stress & Ängste
  • ...

Oftmals kein für die Auswelt offensichtlicher Trigger.

Die beiden Phänomene sind nicht immer trennscharf und könenn auch ineinander übergehen, sich abwechseln oder jeweils einzeln auftreten.


Phasen-Leitfaden für den Alltag

Prävention


reizarme, strukturierte und vorhersehbare Umgebung herstellen

Begrenzung optischer Unordnung, Reize schnell reduzierbar machen (Gehörschutz, Sonnenbrille, Gewichtsdecke, Zelt)

Feste, klar erkennbare Plätze für Gegenstände

farbige Schubladen, Bilder an Schränken visuelle Hilfsmittel zur zeitlichen Orientierung Sanduhren, Tagespläne, Checklisten, Routinekarten

individuelle Trigger identifizieren

Veränderungen in der Routine, schnelle Übergänge, Zeitdruck, Erschöpfung, Krankheit, Unordnung

Frühwarnzeichen erkennen & eingreifen

Zunehmende Unruhe, Stimming, verkürzte oder ausbleibende Antworten, Entscheidungsschwierigkeiten kurze Sätze verwenden, Kommunikationshilfen nutzen, Regulation anbieten

Akutversorgung


Sicherheit steht an oberster Stelle

ausreichend Platz schaffen, gefährliche Gegenstände beseitigen, Haus- und Wohnungstür verschließen

ggfs. Rettungsdienst alarmieren

ernsthafte Verletzungen, ungewöhnlich lange Dauer, gefährliche Umgebung, Überforderung

Notfallplan aktivieren

Selbstfürsorge beachten

Atemübungen, inneres Mantra, Schutz aufbauen (z.B. Gehörschutz), Vertrauensperson anrufen

Nachsorge


Erholung für alle Beteiligten ermöglichen

Verletzungen versorgen, Grundbedürfnisse nachholen, Regulation fortführen

Sicherheit und Stabilität vermitteln

Bestätigende Kommunikation, ruhige, vertraute Aktivitäten anbieten, Rückkehr zur Routine

Selbstwirksamkeit wiederherstellen

kleine Wahlmöglichkeiten anbieten, Aktivitäten die gut gelingen

Aufarbeitung der Situation

vollständige Beruhigung und Regeneration und Abstand zur Situation, Gefühle validieren, Lösungen


Kommunikation: Hilfreiche Sätze & No-Gos

  • Du bist nicht allein. Du bist sicher.
  • Wir kümmern uns später darum.
  • Wir finden einen Weg.
  • Schritt für Schritt.
  • Ich sehe dich. Ich höre dich. Ich glaube dir.
  • Das war ganz schön viel für dich.
  • Wir machen langsam. Nimm dir alle Zeit, die du brauchst.
  • Gefühle können manchmal riesig sein. Du hast sie bezwungen.
  • Gibt es etwas, was dich besonders geärgert oder beschäftigt hat?
  • Ich bin nicht böse auf dich.
  • Stell dich nicht so an.
  • So schlimm ist das nicht. Jetzt hör aber mal auf.
  • Immer müssen wir nach deiner Nase tanzen.
  • Früher ging es doch auch.
  • Du musst lernen damit umzugehen.
  • Du musst mir sagen was los ist. Hallo? HALLO?
  • Du bist böse.
  • Wenn du nicht sofort aufhörst, werde ich …
  • Reiß dich das nächste Mal besser zusammen.
  • Warum bist du so?
  • Was war denn nun schon wieder los?