Angebote für pflegebedürftige Kinder und Jugendliche und ihre Angehörigen

Toilettengang und Intimhygiene

Toilettengang und Intimhygiene bei Neurodivergenz

Der Toilettengang, die Intimhygiene und der Umgang mit der Menstruation stellen Familien im Pflege-Alltag oft vor große Hürden. Probleme bei der Wahrnehmung körperlicher Signale, Scham, Unsicherheiten in fremden Umgebungen oder sensorische Überempfindlichkeiten können den Alltag belasten. Auf dieser Seite finden Sie praktische proaktive und reaktive Maßnahmen und hilfreiche Formulierungen.


Pflegesituationen und Herausforderungen

  • Bedürfnis wird nicht rechtzeitig wahrgenommen > funktionelle Inkontinenz
  • Vergessen der üblichen Abläufe
  • Verweigerung bestimmter Schritte (Hände waschen,...)
  • Schwierigkeiten den Wechsel von Periodenprodukten selbst einzuschätzen
  • Scham, Angst, Unsicherheit in Bezug auf den Toilettengang
  • Verweigerung des Toilettengangs
  • Versorgung mit Windeln über die altersübliche Spanne hinaus
  • sensorische Überempfindlichkeit gegenüber Toilettenpapier / Periodenprodukten

Erinnerungen

Begleitung der Versorgung

inneres Monitoring der Toilettenzeiten bzw. Wechselzeiten

emotionale Unterstützung


Was können Eltern tun?

Proaktive Maßnahmen

Einplanung fester Toilettenzeiten nach dem Aufstehen, nach dem Essen, vor dem Schlafen Visualisierung der Abläufe

Bildkarten, Ablaufpläne und Checklisten

Sensorische Verträglichkeit testen lassen

Feuchtes Toilettenpapier, verschiedene Lagen, Podusche (mobiles Bidet), Tampons, Binden, Menstruationsunterwäsche, Menstruationstasse, Menstruationsscheibe

Diskretion und Wertungsfreiheit

diskreten Zugang zur Toilette und Produkten ermöglichen, Privatsphäre wahren, nicht vor anderen über Toilettengang oder Versorgung sprechen, ggfs. Codewörter vereinbaren

Reaktive Maßnahmen

Ruhe bewahren & Selbstregulation

Trösten statt Schimpfen, nicht beschämen

Wechselkleidung bereithalten

Im Auto, Rucksack, bei Personen die regelmäßig besucht werden, kleines Notfallpaket mit notwendigen Sachen

Unterschiedliche Versorgungsprodukte bereithalten

falls sensorische Empfindlichkeit wechselt, spontaner Beginn

Bei Verweigerung: keinen Druck oder Zwang erzeugen

Validieren der Gefühle, Verschieben auf späteren Zeitpunkt, ggfs. auf Privatsphäre hinweisen


Kommunikation: Hilfreiche Sätze & No-Gos

  • Wir legen kurz eine Toilettenpause ein.
  • Willst du allein oder soll ich helfen? Du entscheidest, wie du dich wohl fühlst.
  • Du bist bei mir sicher. Ich bin gleich vor der Tür, du kannst meine Füße sehen.
  • Ich sehe, du willst gerade nicht. Lass uns in 5 Minuten nochmal schauen.
  • -gemeinsames Codewort-
  • Hilfst du mir kurz im Bad das Schild an meinem T-Shirt zu entfernen?
  • Kein Problem, wir machen das sauber. Wir haben ja immer Wechselsachen dabei.
  • Ich helfe dir. Das passiert.
  • Beim Spielen vergeht die Zeit so schnell, da hört man den Bauch manchmal gar nicht.
  • Ich bin nicht sauer oder böse auf dich. Ich hab dich lieb.
  • Warum hast du nichts gesagt?
  • Schon wieder?
  • Das ist doch nicht so schwer…
  • Andere Kinder schaffen das doch auch.
  • Du bist doch schon groß.
  • Hast du deinen Tampon schon gewechselt?
  • Du musst da regelmäßig dran denken, das kann gefährlich werden!