Angebote für pflegebedürftige Kinder und Jugendliche und ihre Angehörigen

Zähne Putzen

Zähne putzen bei neurodivergenten Kindern - Tipps und Vorbereitung

Das Zähneputzen stellt im Pflege-Alltag mit neurodivergenten Kindern oft eine massive Herausforderung dar. Sensorische Überempfindlichkeiten gegenüber Zahnpasta oder dem Schaum im Mund, sowie motorische Schwierigkeiten können diese tägliche Routine sehr belasten. Auf dieser Seite finden Sie praktische Tipps, proaktive Maßnahmen und eine Checkliste, wie Sie das Zähneputzen für Ihr Kind stressfreier und bedürfnisorientiert gestalten können.


Häufige Pflegesituationen und Herausforderungen

  • sensorische Überempfindlicheit gegenüber Zahnpasta, Schaum im Mund und/oder Zahnbürste bzw. Borsten
  • Druck auf Zähne oder Zahnfleisch wird schlecht angenommen
  • Würgereflex
  • Ausspucken wird als unangenehm empfunden
  • Ausspucken ist sensorisch nicht ausreichend integriert und Zahnpasta wird oft verschluckt
  • motorische Schwierigkeiten beim Zahnbürstengriff
  • Handbewegungskoordination
  • Druck auf Zähne und Zahnfleisch regulieren
  • keine eigenständige Initiierung, Vergessen und Ablenkbarkeit

Erinnerungen

Begleitung der Versorgung

inneres Monitoring der Häufigkeit und Notwendigkeit

emotionale Unterstützung


Was können Eltern tun?

Proaktive Maßnahmen

Einplanung fester Zeiten für Zähneputzen Routinen, gemeinsames Familien-Putzen Visualisierung der Abläufe

Bildkarten, Ablaufpläne und Checklisten Produkte testen lassen verschiedener Geschmack, Geruch, Konsistenz der Zahnpasta, unterschiedliche Zahnbürsten (elektrisch, Schall, manuell, Nanobürsten, gewinkelte Bürsten, …)

Übergänge ankündigen und visualisieren

Timer, Sanduhren (auch zur Visualisierung der Dauer des Vorgangs), Routinekarten, Zahnputz-Lied

Reizverändernde Anpassungen

Warmes Wasser, Licht dimmen, Aufteilen des Prozesses in Oberkiefer und Unterkiefer mit Pause, Zähne putzen in andere Zimmer verlagern (Schüsseln zum Ausspucken)

Nachputzen normalisieren

Erst ab ca. 10 Jahren können Kinder in der Lage sein, selbstständig gründlich genug zu putzen.

Reaktive Maßnahmen

Ruhe bewahren & Selbstregulation

Trösten statt Schimpfen, nicht beschämen

Ziel anpassen

Putzen ohne Zahnpasta, kürzere Zeit, nur ein Bereich

Pausen einplanen

kein Zeitdruck, Unterbrechungen ermöglichen

keinen Druck oder Zwang erzeugen

Validieren der Gefühle, Verweigerung zulassen


Kommunikation: Hilfreiche Sätze & No-Gos

  • Noch 2 Minuten spielen, dann ist Zähne putzen dran.
  • Welche Zahnbürste / Pasta möchtest du heute?
  • Ich fasse deinen Mund erst an, wenn du bereit bist.
  • Du hast gerade geschafft ein bisschen zu putzen!
  • Wir finden heraus, was gerade schlimm ist, okay?
  • Komm, wir holen zusammen mit dem Bakterienbus (Zahnbürste) die ganzen kleinen Karies vom Spielplatz ab.
  • So, nun schau ich nochmal nach ob sich auch keine kleine Bakterie versteckt hat...
  • Puh, du stinkst schon so, du musst jetzt dringend Zähne putzen!
  • Das tut doch gar nicht weh.
  • Stell dich nicht so an.
  • Du bist doch schon groß.
  • Du darfst erst wieder spielen, wenn du Zähne geputzt hast.
  • Wenn du jetzt nicht aufmachst, muss ich dich festhalten.