Umgang mit Medikation
Medikation im Pflege-Alltag: Organisatorischer und pädagogischer Umgang
Hinweis vorab: Diese Seite behandelt den organisatorischen und pädagogischen Umgang mit der Medikamentengabe. Alle Fragen zu Dosierung, Einnahmezeitpunkt oder Wechselwirkungen sind ausschließlich mit der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt oder der Apotheke zu klären!
Die regelmäßige Einnahme von Medikation stellt Kinder und Familien im Alltag oft vor große Hürden. Ob Verweigerung wegen Geschmack oder Form, Ängste vor Nebenwirkungen oder schlichtes Vergessen – hier finden Sie praktische proaktive und reaktive Maßnahmen und hilfreiche Formulierungen.
Häufige Pflegesituationen und Herausforderungen
- Verweigerung von Tabletten aufgrund von Größe oder Form, unangenehmer Geschmack oder Geruch
- Ekel vor bestimmten Konsistenzen (Sirup, Säfte)
- Angst vor Nebenwirkungen, körperlichen Veränderungen, Kontrollverlust und Verschlucken
- Angst vor Veränderungen (neues Medikament, Verpackung geändert) soziale Ängste (Medikation in der Schule, unter Beobachtung)
- Vergessen der Einnahme, der Dosis, Mahlzeit zur Medikation
- Verstecken der Medikation, Verhandeln um Einnahme, Ausspucken, Erbrechen
- Wirkung / Nichtwirkung / Nebenwirkung werden nicht wahrgenommen
Erinnerungen
Begleitung der Versorgung
zusätzliche Kosten für Hilfsmittel
inneres Monitoring der Einnahme
emotionale Unterstützung
Was können Eltern tun?
Proaktive Maßnahmen
Einplanung fester Einnahmezeiten
nach dem Aufstehen, nach dem Essen, vor dem Schlafen
Visualisierung der Einnahme
Bildkarten, Ablaufpläne und Checklisten
andere Darreichungsformen prüfen
Kapseln, Säfte, Tabletten, Pulver
Externe Routineunterstützungen
Timer, Erinnerungsapps, Lehrkräfte oder Schulgesund-heitsfachkräfte einbeziehen (festen Ansprechpartner), Belohnungspläne
Privatsphäre und Diskretion
Codewörter vereinbaren, hübsche Medikationsdosen
Mitbestimmung ermöglichen
Getränk wählen lassen, Ort der Einnahmen
Reaktive Maßnahmen
Ruhe bewahren & Selbstregulation
Trösten statt Schimpfen, nicht beschämen
Darreichungsform nur in Absprache manipulieren / verändern
Kapsel öffnen, Saft untermischen
keinen Druck oder Zwang erzeugen
Validieren der Gefühle, Verschieben auf späteren Zeitpunkt
Medizinische Ausnahmesituationen
Festhalten nur bei Notfallmedikamenten, allergischen Reaktionen, lebensbedrohlicher Zustand ohne Medikation
Kommunikation: Hilfreiche Sätze & No-Gos
- Ich bin nicht sauer oder böse auf dich. Ich hab dich lieb.
- Was brauchst du, damit es für dich machbar ist?
- Ich merke, du bist gerade noch nicht bereit. Was ist gerade schwierig?
- Wir schauen uns erstmal nur die Tablette an, okay?
- Du hast gut auf deinen Körper gehört.
- Dein Körper braucht das Medikament, damit…
- Andere Kinder schaffen das doch auch.
- Du musst die Medizin nehmen, sonst ist die Ärztin traurig / böse auf dich.
- Du musst die Medizin nehmen, sonst geht es ins Krankenhaus.
- Du bist doch schon groß.
- Du musst da regelmäßig dran denken, das kann gefährlich werden!
- Willst du wieder, dass es dir schlecht geht?
